Exkursionsbericht: Besuch im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (kurz: ZI)

Psychische Gesundheit ist oft ein Tabuthema – viele Menschen wissen wenig über den Alltag in einer Psychiatrie oder haben Vorurteile gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Um dem entgegenzuwirken und eine Psychiatrie einmal von innen kennen zulernen, besuchten wir, die 12. und 13. Klassen des Gymnasiums der Markus-Schule, am 22. Mai 2025 das ZI in Mannheim. 

Vor dem Besuch hatte ich nur ein vages Bild von psychiatrischen Kliniken. Ich war überrascht, wie groß, modern und zentral das ZI gelegen ist – mitten in Mannheim und nicht, wie viele frühere psychiatrische Kliniken, abgelegen auf dem Land. Besonders am ZI ist, dass es neben der Behandlung auch eigene Forschung zu psychischen Erkrankungen betreibt. 

Der Tag begann mit einem Vortrag von Herrn Ellwanger, dem Leiter der Kommunikationsabteilung. Er gab uns Einblicke in die Geschichte und Struktur des ZI sowie in die häufigsten Krankheitsbilder: Depressionen, Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline), Schizophrenie, Angststörungen und Suchterkrankungen. Stationäre Patienten und Patientinnen wohnen in Mehrbettzimmern und nehmen täglich an Therapien teil. Ambulante kommen nur zu Behandlungen ins ZI. Es gibt offene und geschlossene Stationen – letztere für Menschen mit akuter Selbst- oder Fremdgefährdung. 

Besonders eindrücklich für mich war die Schilderung, wie mit Selbstverletzung umgegangen wird. Therapeuten arbeiten mit Strategien zur akuten Krisenbewältigung (z. B. Chili als Reizersatz), aber auch langfristigen therapeutischen Lösungen. Die Behandlung wird individuell auf das Alter und Krankheitsbild zugeschnitten – so gibt es am ZI spezialisierte Stationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. 

Im zweiten Teil beantworteten zwei junge Therapeuten unsere Fragen. Wir erfahren, dass viele Erkrankungen durch belastende Kindheitserfahrungen entstehen oder genetisch vererbt werden. Erste Symptome zeigen sich oft schon im Jugendalter.  

Auch die hohen emotionalen Belastungen der Therapeuten wurden angesprochen – ein professioneller Umgang, fachliche Distanz und Selbstreflexion sind im beruflichen Alltag notwendig. Um Psychotherapeutin zu werden, ist ein Psychologiestudium notwendig, seit kurzem gibt es Masterstudiengänge mit dem Schwerpunkt Psychotherapie.  

Unser Besuch war sehr informativ. Zwar konnten wir keine Stationen besichtigen, erhielten aber durch Bilder und Gespräche viele Einblicke. Knapp 1/3 aller Erwachsenen in Deutschland werden einmal in ihrem Leben psychisch krank. Psychische Probleme sind also nichts, wofür man sich schämen muss. Hilfe zu suchen – sei es durch Therapie, Klinikaufenthalt oder ein Gespräch mit Vertrauenspersonen – ist mutig und völlig in Ordnung.